Land und Leute

Die Geschichte Südthüringens

Südthüringen kann mit Stolz auf seine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Trotz häufig wechselnder Herrschaftsverhältnisse und der trennenden Wirkung des Thüringer Waldes war die in der Mitte Deutschlands gelegene Region Südthüringen immer ein Ort der Innovation. Die emsigen und regen Bewohner Südthüringens schafften es immer wieder, Rückschläge zu verkraften und ihre Lebenssituation fortschrittlich zu gestalten. Die Zeugnisse der frühzeitigen Industrialisierung sind nur ein Beispiel dafür. Nachfolgend können Sie sich in einem kurzen Abriss über die Geschichte Südthüringens informieren.

Die Ursprünge

Die Ahnen der Thüringer sind die germanischen Stämme der Hermunduren, Angeln und Warnen. Vor ca. 2000 Jahren bereiste der römische Geschichtsschreiber Tacitus das Gebiet und leitete aus der Verehrung der Einwohner für den Donnergott Thor den Namen Thoringia für den Landstrich ab.

Thüringen selbst entstand nachweislich um ca. 400. Um 450 gründeten die Angeln, Warnen und Hermunduren das Königreich Thoringi. Über deren Könige ist wenig bekannt. Der Sitz ihres Königshauses wird an der Unstrut vermutet.


Die Herrschaft der Merowinger und Karolinger


Im Jahr 531 wurden die Thüringer in der Nähe von Burgscheidungen von den Franken und Sachsen besiegt. Nordthüringen fiel unter sächsische, der Süden unter fränkische Herrschaft und wurde nun von den Merowingern regiert. Erster fränkischer Herrscher in Thüringen wurde Clothar I. (498 - 561). Er unterwarf neben Thüringen auch die Alemannen und Bayern. Unter Dagobert I. fielen auch noch Burgund und Aquitanien an das Frankenreich.

Pippin III. (714-768) teilte Franken kurz vor seinem Tod unter seinen Söhnen Karlmann und Karl (dem späteren Karl dem Großen) auf. Das Herrschaftsgebiet Karls erstreckte sich von Thüringen bis zu den Pyrenäen. Unter Karl, der 800 in Rom zum Deutschen Kaiser gekrönt wurde, begann die Christianisierung Thüringens, die vor allem durch den Benediktinermöch Bonifacius vorangetrieben wurde. 742 begründete er das Bistum Erfurt. In diese Zeit (874) fällt auch die erstmalige Erwähnung des Ortes Schmalkalden.


Die Ludowinger und Wettiner


Nach dem Tod Ludwigs des Frommen wurde Franken 843 erneut geteilt. Ostfranken und Thüringen fielen an Ludwig den Deutschen. Unter Ludwig II. wurden die Wartburg (1067) und die Schauenburg (1075) errichtet.

Das Geschlecht der in Südthüringen ansässigen Henneberger wurde 1096 erstmalig erwähnt. Diese gründeten 1131 ihr Hauskloster Vessra.

Im Jahr 1130 schuf Kaiser Lothar III. das Landgrafenamt, um die Macht des niederen Adels zu beschränken. Erster Landgraf Thüringens wurde Ludwig III. Aufgrund fehlender männlicher Nachkommen kam es zwischen 1247 und 1264 zum thüringischen Erbfolgestreit, aus dem Heinrich der Erlauchte als Sieger hervorging. 1264 wurde er thüringischer Landgraf.

Im Jahr 1294 verkaufte Albrecht der Entartete Thüringen an König Adolf von Nassau. Aufgrund von Rechtsstreitigkeiten kam es zu heftigen kriegerischen Auseinandersetzungen, bis schließlich König Heinrich VII. 1310 die Rechte des Hauses Wittin an Thüringen anerkannte.

Im selben Jahr wurde Berthold VII. von Henneberg-Schleusingen in den Fürstenstand erhoben, 1335 verlieh er Schmalkalden 1335 das Stadtrecht.

Um 1350 forderte die Pest in Thüringen über 12.000 Opfer.

Von 1446 bis 1451 kam es zum sächsischen Bruderkrieg zwischen Landgraf Wilhelm III. von Weimar und seinem Bruder Friedrich. Als Sachsen erneut zwischen den Söhnen des Kurfürsten, Albrecht und Ernst geteilt wurde, fiel der größte Teil Thüringens der ernestinischen Linie der Wettiner zu.

Der Widerstand gegen den Ablaßhandel der katholischen Kirche machte Südthüringen 1517 zum Ausgangspunkt der Reformation. Martin Luther übersetzte auf der Thüringer Wartburg 1521/22 die Bibel ins Deutsche. Dies gilt als eine der größten kulturellen Leistungen der deutschen Geschichte. Erstmals war die Bibel auch den weniger gebildeten Schichten zugänglich. Die Reformation war zentrale Voraussetzung für das Entstehen eines selbstbewußten und gebildeten Bürgertums in Deutschland.

Nachdem Kurfürst Friedrich III. Martin Luther unter seinen Schutz stellte, führte Johann Friedrich I. die protestantischen Fürsten des Schmalkaldischen Bundes in den Kampf gegen Kaiser Karl V. Nach deren Niederlage im Schmalkaldischen Krieg 1547 kam es zur Zersplitterung Thüringens. Es entstanden die Herzogtümer Sachsen-Coburg, Sachsen-Eisenach und Sachsen-Weimar, daneben kleine Fürstentümer wie Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen, Henneberg und Reuß. Über Jahrhunderte blieb die Landkarte Thüringens nun ein bunter Teppich aus rund 100 verschiedenen Flecken.

Mit dem Tod von Georg Ernst von Henneberg-Schleusingen starb 1583 das Henneberger Geschlecht aus. Die Grafschaft Henneberg-Schleusingen wurde von den Wettinern gekauft und gemeinsam verwaltet. Durch seine verkehrsgünstige Lage, seine Erzvorkommen und seine Bedeutung als Zentrum der Waffenherstellung erlebte Schmalkalden-Meiningen eine wirtschaftliche Blütezeit.

Im Jahr 1640 teilten die Söhne von Herzog Johannes ihren Besitz; Wilhelm erhielt das Weimarer Gebiet, Albrecht das Eisenacher und Ernst das Gothaer. In den Jahren der Herrschaft Ernst des Frommen (1641-1675) kam es zum Aufbau einer modernen Landes- und Kirchenverwaltung.

Sein Nachfolger wurde Herzog Carl August. Er lud Johann Wolfgang von Goethe nach Weimar ein, wo dieser bis zu seinem Tod 1832 wirkte. Weimar und Jena wurden zu Zentren der europäischen Klassik und Romantik, die Geistesgrößen wie Schiller, Wieland oder Herder anzogen.

Im Jahr 1815 wurde Sachsen-Weimar-Eisenach auf dem Wiener Kongress zum Großherzogtum erklärt. Die albertinischen Landesteile wurden preußisch. Zwei Jahre später feierten deutschen Studenten das Wartburgfest und forderten ein geeintes Deutschland.

Zu einer Neuordnung Thüringens kam es 1826. Es existierten nun nur noch die Herzogtümer Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Coburg-Gotha sowie das Grossherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.

Im Jahr 1834 traten die Thüringer Kleinstaaten geschlossen dem Deutschen Zollverein bei. Die Zeit ab 1848 war wie in ganz Deutschland auch in Thüringen gekennzeichnet von Verfassungskämpfen, Reformen und Einheitsbestrebungen. 1866 traten die Thüringischen Staaten dem Norddeutschen Bund und 1871 schließlich dem Deutschen Reich bei.


Weimarer Republik und Drittes Reich


Zu Beginn des 19. Jhd. gewann Preussen die Macht über Thüringen. Die Zeit war von einer raschen Industrialisierung geprägt.

Am 1. Mai 1920, ein Jahr nach der Gründung der Weimarer Republik wurde aus den Freistaaten Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Gotha, Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen und Reuß der Freistaat Thueringen mit der Hauptstadt Weimar . Coburg schloss sich nach einem Volksentscheid Bayern an, Erfurt blieb weiterhin preußisch. Am 7. April 1921 wurden sieben silberne Sterne auf rotem Grund zum Thüringer Wappen.

Bei den Landtagswahlen 1924 errangen die rechtsextremen Parteien einen ersten großen Erfolg. Im Juli 1932 bildete die NSDAP mit dem Thueringer Landbund eine Koalitionsregierung. Leitender Staatsminister wurde Fritz Sauckel. 1934 wurde der gleichgeschaltete Landtag aufgelöst und sämtliche Hoheitsrechte Thüringens auf das Reich übertragen.


Thüringen nach 1945


Mitte April 1945 wurde Thüringen von den Amerikanern befreit. Der Regierungsbezirk Erfurt und der Kreis Schmalkalden wurden nach Thüringen eingegliedert und Hermann Brill von den Amerikanern als Regierungspräsident eingesetzt. Nach dem Rückzug der Amerikaner machten schließlich die Sowjets Rudolf Paul zum Ministerpräsidenten. Ab August 1945 bildete ein goldener Löwe mit acht silbernen Sternen das thüringische Wappen.

Am 20. Dezember 1946 verkündete der Landtag die neue thüringische Verfassung, durch die es de facto zu einer Entmachtung des Landtags und einer Verlagerung aller Kompetenzen nach Berlin kam.

Nachdem 1950 Erfurt thüringische Hauptstadt geworden war, wurde das Land 1952 in die Bezirke Erfurt, Gera und Suhl aufgeteilt und das Wappen abgeschafft.


Thüringen heute


Im Zuge der Wiedervereinigung wurde am 14. Oktober 1990 aus den Bezirksterritorien Erfurt, Gera und Suhl sowie der Kreise Altenburg, Artern und Schmölln das Bundesland Thüringen. Am gleichen Tag wurden die ersten Landtagswahlen durchgeführt. Der thüringische Landtag trat zur ersten konstituierenden Sitzung am 25. Oktober 1990 zusammen.

Im Jahr 1993 wurde Thüringen zum Freistaat. Er besteht heute aus 17 Landkreisen und 6 freien Städten.

 
 
 
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