Doping

Nach intensiver Aufarbeitung von DDR-Doping nach der Wende

Auch zum Doping in Westdeutschland müssen endlich alle Fakten auf den Tisch

06.08.2013 - Die Sprecherin der ostdeutschen SPD-Bundestagsabgeordneten, Iris Gleicke, hat im Zusammenhang mit der Studie ‚Doping in Deutschland 1950 bis heute‘ eine „rasche, umfassende und lückenlose Aufklärung“ gefordert. Im Netzwerk des westdeutschen bzw. bundesdeutschen Sports sei Doping vom Staat offenbar toleriert und sogar gefördert worden.

Gleicke verlangte eine „Aufarbeitung mit der gleichen Intensität wie bei der Untersuchung des Systems des DDR-Staatsdopings nach der Wende“. Gegen die Betrüger im Westen müsse mit der gleichen Härte vorgegangen werden wie gegen die im Osten seinerzeit. „Jetzt hilft nur noch schonungslose Offenheit. Wer jetzt weiter mauert, dem wird es genau so ergehen wie den betroffenen Sportlern und Funktionären nach der Wende im Osten. Und das völlig zu Recht! Alles gehört auf den Prüfstand.“

Gleicke warnte angesichts der Enthüllungen jedoch auch vor Schadenfreude im Osten und wies auf grundlegende Unterschiede hin: „Das DDR-Dopingsystem war staatlich organisierte und zwangsweise Dopingpraxis, während das Doping-Netzwerk im bundesdeutschen Sport in der vorrangigen Verantwortung der Sportverbände lag“. Nach Lage der Dinge müsse „sich die Alt-Bundesrepublik jedoch Fragen nach einer aktiven Förderung, ja Mittäterschaft gefallen lassen“, betonte Gleicke. „Und spätestens beim Doping an Minderjährigen, was für mich ein ungeheuerliches Verbrechen ist, verschwimmen die Grenzen zwischen DDR- und BRD-Dopingstrukturen. Wer half eigentlich in der alten Bundesrepublik Sportlern, die zu Opfern der Dopingpraxis wurden?“

Bundesinnenmister Friedrich forderte sie auf, seiner Aufsichtspflicht gegenüber dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft „umgehend“ nachzukommen. Gleicke: „Es kann ja wohl nicht angehen, dass im Verantwortungsbereich des Bundesinnenministeriums mutmaßlich Akten vernichtet wurden. Warum wurde der Forschungsbericht über einen längeren Zeitraum der Öffentlichkeit vorenthalten? Warum geschieht die Aufklärung derzeit so tröpfchenweise und nur auf Druck der Öffentlichkeit?“

Gleicke geht davon aus, dass „jede weitere Vertuschung und Verschleppung zwangsläufig zu erbitterten Reaktionen im Osten führen“ werde. Man habe die ostdeutschen Sportler nach der Wende unter Generalverdacht gestellt und eigentlich nur noch die westdeutschen Pokale in den Vitrinen gelassen, was im Osten zu einiger Erbitterung geführt habe. Mit diesem Spiel sei es nun vorbei. „Im Westen sauberer Sport in der Demokratie, allenfalls mit ein paar schwarzen Schafen, im Osten systematisches Doping einer Diktatur auf Medaillenjagd: diese Illusion ist geplatzt wie eine Seifenblase.“

 
 
 
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