Ehrenamtliches Engagement

Ehrenamtliches Engagement

Iris Gleicke bei den Frauen der Freiwilligen Feuerwehren

Iris Gleicke bei den Frauen der Freiwilligen Feuerwehren
 

18.09.2012 - Auf Augenhöhe sprach Bundestagsabgeordnete Iris Gleicke (SPD) am 18. September 2012 mit Frauen aus den Freiwilligen Feuerwehren der Region. Der Zufall wollte es, dass die Wehr Schmalkalden kurz vor der Gesprächsrunde zu einem Einsatz ins Walperloh gerufen wurde. „Das sieht keiner, wenn man da nach Feierabend ausrücken muss“, lobte Iris Gleicke das Engagement der Frauen und Männer in der Einsatzabteilung. Jeder Bürger, jedes Unternehmen verlasse sich im Notfall auf die ehrenamtlichen Retter, doch mittun wollen nur wenige, weiß sie um das Nachwuchsproblem der Wehren. Schon leitete die Bundestagsabgeordnete zum Rettungsdienstgesetz des Freistaates Thüringen über. Dazu gibt es derzeit Gespräche.

Wichtig sei, so Iris Gleicke, dass die Rettungsdienste bei ihren Angeboten kein Preisdumping betreiben, das dann womöglich auf Kosten der Patienten und Bürger geht. „Das Billiglohnland Thüringen ist kein Wettbewerbsvorteil“, sagte sie. Man müsse eher daran denken, die Beschäftigten im Rettungs- und den anderen sozialen Diensten, wie überhaupt, vernünftig zu entlohnen. Anderenfalls würden vor allem die jungen Arbeitnehmer abwandern. Vor diesem Hintergrund fordert sie die Einführung eines Mindestlohns.

Einige Stunden vor dem Gespräch mit den Feuerwehrfrauen hatte die Abgeordnete mit Betriebsräten der Region zu diesem Thema diskutiert. Ebenso plädiert Iris Gleicke für die Wiederaufnahme der 1992 in Ruhestand geschickten Rente nach Mindesteinkommen. Das Problem Altersarmut sei nicht mehr fern. „Nach 22 Jahren deutsche Einheit sieht niemand mehr ein, warum es ein unterschiedliches Rentensystem gibt“, sagte Gleicke. Einmal in Schwung geredet, machte sie auch die Rechnung rund um die Eurokrise auf. Hatte sie zuvor einen Rentenfonds von „nur“ 500 Millionen Euro für Härtefallregelungen, aus dem auch DDR-Geschiedene einen Ausgleich erhalten sollen, ins Gespräch gebracht, so ging es nun um Milliardenbeträge. Die Eurorettung sei eine notwendige Aufgabe. „Europa kann man nicht einfach über Bord werfen“, mahnte Gleicke.

Es gehe aber auch „um die parlamentarische Kontrolle, denn 620 Bundestagsabgeordnete müssen Wählern Rede und Antwort stehen, der EZB-Chef muss es nicht“. Die Sozialdemokratin kritisierte die deutsche Regierungschefin und ihre europäischen Kollegen, den Parlamenten die Gestaltungsmöglichkeit zu entreißen. „Wir müssen Programme einführen, wie das Konjunkturprogramm, welche Kommunen und örtliche Wirtschaft stärken“, forderte sie. Nach dem knapp einstündigen Monolog kam es zur Diskussion. Die Arbeitsbelastung der Frauen kam am Beispiel des Schmalkalder Krankenhauses zur Sprache. „Die fahren nur auf Verschleiß“, kritisierte eine Teilnehmerin die Personalpolitik des Hauses. Es gebe Stationen, da sind fast alle Krankenschwestern über 50 Jahre alt, die täglich die körperlich schwere Arbeit verrichten. Doch jungen Kräften würden Verträge nicht verlängert, weil kein Geld da sei. Dass nach solch einem schweren Alltag im Drei-Schicht-System die Lust zum Ehrenamt sinke, sei verständlich. Nicht nur Feuerwehren, sondern auch andere Vereine und Sozialdienste mit Ehrenamtlichen kennen das Problem der Arbeitsüberlastung. Durch den Wegfall des Zivildienstes seien diese Probleme noch akuter geworden. Zugleich erneuerte Gleicke ihre Kritik an der Krankenhausfinanzierung, hier gelte es, eine wirksame Therapie zu verordnen. Zudem biete das Modell der Bürgerversicherung, in die jeder einzahlt, einen hilfreichen Lösungsansatz.

(Quelle: Südthüringer Zeitung vom 22. Spetember 2012)

 
 
 
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