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Freies Wort zum Thema Werra-Bahn

"Stell dir vor, der ICE fährt, aber keiner kommt dort hin"

 

Während mit der Neubau-Trasse der Ruf nach einer Anbindung wächst, sieht das Erfurter Verkehrsministerium derzeit keinen Bedarf
Von Jens Wenzel

Goldisthal/Erfurt
- Wahlkampf-Zeiten haben auch etwas Praktisches: Kommt jemand mit einer Forderung an die Politik, lässt sich diese ganz einfach als Wahlkampfgetöse abtun. So geschehen mit der Anregung der Südthüringer Bundestagsabgeordneten und ICE-Tunnelpatin Iris Gleicke. Sie hatte sich bei der Anschlagsfeier am Nordportal des Bleßberg-Tunnels dafür ausgesprochen, auch an die Anbindung Südthüringens an die entstehende Hochgeschwindigkeitsstrecke zu denken.

Doch das Erfurter Verkehrsministerium sieht derzeit keinen Bedarf für solch eine Anbindung. "Die Reaktivierung der Werrabahn war schon großes Thema im bayerischen Wahlkampf, jetzt passiert das Gleiche im Thüringer Wahlkampf", sagt Ministeriumssprecher Thomas Sauer. Schließlich hätten Studien gezeigt, dass es über 100 Millionen Euro koste, die Werrabahn zwischen Eisfeld und Coburg wieder herzustellen. "Wenn es einen Bedarf gäbe, der diesen Aufwand rechtfertigt, hätte sich bestimmt schon ein Betreiber für diese Strecke gefunden." Im Übrigen sei das Ganze ja Angelegenheit der Bahn und nicht der Bundesländer.

Morgens und abends ein Zug

In der Region um Coburg wird das ganz anders gesehen. Wenn ab 2017 die blitzschnellen Züge auf der neuen Hochgeschwindigkeitstrasse rauschen, soll lediglich in den sogenannten Tagesrandlagen - also am frühen Morgen und am späten Abend - mal ein ICE abbiegen und einen Halt in der Veste-Stadt einlegen. Die Begründung dafür, dass es keinen regulären Halt gibt, ist zum einen, dass die Züge sonst zu viel von ihrem Geschwindigkeitsvorteil einbüßen, und zum anderen, dass es zu wenig Ein- und Aussteiger im unmittelbaren Einzugsgebiet geben wird.

Oberfranken und Südthüringen wären damit von der prestigeträchtigen Bahnstrecke dann doch wieder abgeschnitten, frei nach dem Motto: "Stell dir vor, der ICE fährt, aber keiner kommt dort hin." Dies, so meint die SPD-Politikerin Gleicke, könne doch weder im Sinne der bayerischen, noch der thüringischen Landesregierung sein. Beide, so appelliert sie, sollten noch einmal über solch ein Projekt nachdenken. Letztlich könne ein Zubringer-Verkehr aus Südthüringen zu einem ICE-Halt in Coburg mehr Stopps rechtfertigen.

Keiner will dafür zahlen

Doch die Studie, auf welche sich die Politik beruft, hat gar nicht den Aspekt eines ICE-Zubringers geprüft, sondern war vielmehr der Frage nachgegangen, wie viele Pendler denn die Zugverbindung auf der Werrabahn nutzen würden. Mit etwas über 1000 Fahrgästen am Tag seien das eindeutig zu wenig, so das Fazit.
Alternativ waren sogar Straßenbahn-ähnliche Strecken parallel zum einstigen Eisernen Vorhang geprüft worden - eine Alternative, die bereits auf heftige Ablehnung gestoßen ist.

Die Bahn indes hält sich aus der Diskussion vornehm heraus. Seit der Regionalisierung des Bahnverkehrs haben die Länder das Sagen, wie sie sich ihre Schienennetze im Regionalverkehr vorstellen. Und letztlich müssten sie dann auch für die Strecke etwas von den Regionalisierungsmitteln abgeben, welche die Länder vom Bund durchgereicht bekommen. Irgendwie passe die Haltung des Erfurter Verkehrsministeriums nicht zusammen: Zwar wird massiv für den Bau der ICE-Strecke gefochten, aber nicht für eine Anbindung, wundert sich Gleicke.

Und die Thüringer Grünen ergänzen: Die neue Trasse nutze nur Erfurt, der Rest Thüringens habe nichts vom ICE. Aber das ist ja alles nur Wahlkampf ...

 


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